and Society (CLICCS)
Der G20-Gipfel in Südafrika – Mehr heiße Luft oder erfüllte Versprechen fürs Klima?
8. Dezember 2025, von Dr. Jan Wilkens

Foto: Alex Ferro/ COP30
Mit den G20-Gipfeln wird oft das Versprechen verbunden, konkrete Antworten auf unterschiedliche Krisen zu finden und somit auch, die internationale Klimapolitik positiv zugunsten eines stärkeren Klimaschutzes zu beeinflussen. Der diesjährige Gipfel in Südafrika fand, wie bereits öfter zuvor, in zeitlicher Nähe zur Weltklimakonferenz (COP30) statt.
Diplomat:innen hatten über Monate hinweg Vorschläge zu einer Vielzahl an Themen vorbereitet, die in den vergangenen Jahren immer vielfältiger geworden sind. In der diesjährigen Abschlusserklärung haben die G20 Staaten auch klimapolitische Ziele bekräftigt, indem sie die Entscheidungen der letzten UN-Klimakonferenzen, insbesondere den Global Stocktake (GST) und die Umsetzung des New Collective Quantified Goal (NCQG), explizit „begrüßen“.
Angesichts des wachsenden Drucks auf die internationale Klimapolitik — etwa durch die explizite Klimaleugnung der US-Regierung oder die Weigerung ölproduzierender Staaten — mag dies bereits als Erfolg erscheinen. Allerdings gehen von den G20 aus mehreren Gründen keine entscheidenden Impulse für einen effektiven Klimaschutz aus, und es ist unwahrscheinlich, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird.
Als internationales Forum zum Austausch wirtschaftlich führender Staaten geht vom G20-Gipfel keine aktiv gestaltende Klimapolitik aus. Zum einen liegt dies daran, dass man keine Parallelstrukturen zur UNFCCC schaffen möchte. Allerdings könnte die zunehmend fragmentierte Klimapolitik durchaus davon profitieren, wenn der UNFCCC-Prozess stärker unterstützt würde — zumal in den teilnehmenden G20-Staaten die entsprechenden Ressourcen vorhanden sind.
In den vergangenen Jahren ist der Druck, Klimafinanzierung zu leisten, weiter gestiegen. Dadurch ist eine immer größere Kluft zwischen den Ländern, die sich Klimaschutz leisten können, und denjenigen, die abgehängt werden, entstanden. Das Verständnis von Klimapolitik beschränkt sich bei den G20 auf „Energiewende“, „Resilienz“ und „Risikomanagement“. In diesen Bereichen auf bestehende Strukturen zu verweisen genügt jedoch nicht. Das Vorankommen in Minischritten im Bereich der Klimaanpassung und die große Finanzierungslücke sind nur zwei Beispiele, bei dem der G20-Gipfel einen entscheidenden Impuls hätte geben können.
Die fragliche Wirksamkeit und unklare Verbindlichkeit des Gipfeltreffens sind jedoch nur ein Teil des Problems. Die Torpedierung bedeutender Klimapolitik durch eine Reihe von teilnehmenden Staaten wird durch die Überfrachtung mit Themen und die Überlagerung durch andere Krisen komplementiert. Der G20-Gipfel ist daher vor allem darum bemüht, die Effektivität multilateraler Kooperationen unter Beweis zu stellen. Paradoxerweise verkommt der wiederholte Verweis auf „Implementation“ in den unterschiedlichen Bereichen zum Selbsterhaltungszweck.
Sowohl die COP30 in Belém als auch der G20-Gipfel in Johannesburg unterstreichen die Ambitionen einiger Staaten des Globalen Südens, multilaterale Kooperation zwischen verhärteten Fronten gestalten zu wollen. Gleichzeitig repräsentieren beide Gipfelausrichter Brasilien und Südafrika die Widersprüche internationaler Klimapolitik, in der eine gerechte Transformation vorwiegend als technische Herausforderung gesehen wird, die zudem von anderen Themen und Einzelinteressen untergraben wird.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Unterstützung für Klimapolitik durch die ausrichtende Regierung des nächsten Gipfels ändern wird. „Wir begrüßen das Bestreben Saudi-Arabiens, seine Kandidatur für den Vorsitz der G20 im nächsten Zyklus voranzubringen“ heißt es am Ende des Abschlussdokuments. Ein deutlich positiver klimapolitischer Impuls stünde unter dem G20 Vorsitz des Öl-exportierenden Landes, das auch zuletzt in Belém jegliche Ambitionen untergraben hat, allerdings wohl nicht in Aussicht. Bereits im kommenden Jahr droht jegliche Minimalreferenz zum Klima unter dem nächsten Vorsitz der USA zu verschwinden. Es wird daher nicht allein auf klimapolitisch ambitionierte Staaten ankommen, sondern ebenso auf tragfähige Allianzen mit der Zivilgesellschaft.
Dieser Artikel ist zuerst beim Deutschen Klimakonsortium erschienen.
Über den Autor
Dr. Jan Wilkens ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Senior Researcher im Exzellenzcluster „Klima, Klimawandel und Gesellschaft (CLICCS)“. Er ist einer der Herausgeber des Hamburg Climate Futures Outlook 2023: The Plausibility of a 1.5°C Limit to Global Warming—Social Drivers and Physical Processes sowie des Hamburg Climate Futures Outlook 2024: Conditions for Sustainable Climate Change Adaptation. Er forscht zu den Themen Klimagerechtigkeit, Energiewende und gerechte Transformation in Westasien und Nordafrika (WANA). Er hat auf den Klimakonferenzen in Glasgow, Sharm el-Shaikh, Dubai, Baku und Belém die Verhandlungen zu verschiedenen Themen verfolgt.

