CLICCS
and Society (CLICCS)
Foto: UHH/Denstorf
21. September 2026, von Franziska Neigenfind

Foto: Thomas Wasilewski
Wie zuverlässig lassen sich extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen vorhersagen? Ein Team um Dr. Lukas Brunner zeigt in einer neuen CLICCS-Studie, dass zufällige Schwankungen des Klimasystems erheblichen Einfluss darauf haben, wie häufig und wie stark Extremereignisse auftreten. „Das ist vor allem für sensible Regionen relevant, da natürliche Klimaschwankungen solche Extremereignisse kurzfristig verstärken oder abschwächen können und die Prognosen deutlich beeinflussen“, erklärt Lukas Brunner. „Hier setzen wir an, um ein realistischeres Bild zu erhalten.“
Die Forschenden nutzten einen Ansatz mit 50 Simulationen desselben Klimamodells, um den Effekt der natürlichen Klimaschwankungen auf 26 Indikatoren für Klimaextreme weltweit zu untersuchen – darunter zum Beispiel die Anzahl sehr heißer Tage oder sogenannter tropischer Nächte mit über 20 Grad, aber auch die Dauer von Kälteeinbrüchen oder Starkregen. Mithilfe dieses großen Simulations-Ensembles konnte das Team erstmals den Bereich der Unsicherheit durch interne Klimaschwankungen systematisch auf globaler Ebene kartieren und sichtbar machen.
So zeigt die Studie beispielsweise, dass in Regionen wie den als Kornkammern der USA bekannten Great Plains Hitzeextreme stark von zufälligen Schwankungen beeinflusst sind. Diese können dazu führen, dass Extremtemperaturen von über 40 Grad, wie wir sie selbst im heutigen Klima schon erwarten, nochmals um mehr als 2 Grad verstärkt werden. Ähnlich für extreme Niederschläge in Europa: der höchste zu erwartende tägliche Niederschlag kann durch natürliche Schwankungen auch bis zu 15 Prozent höher (oder niedriger) liegen.
Um regionale Schwankungen besser erfassen zu können, entwickelte Brunner einen interaktiven Atlas. Über eine benutzerfreundliche Online-Plattform können Interessierte wie Entscheidungsträger:innen oder Wissenschaftler:innen die Auswirkungen der Klimavariabilität für bestimmte Regionen und Extremwerte selbst ermitteln. Besonders für die Planung von Anpassungsmaßnahmen sei dies laut Lukas Brunner essenziell: „Kommunen in Südosteuropa oder tropischen Regionen können das Ausmaß der Unsicherheit bei Klimaextremen berücksichtigen und in ihre Strategien einfließen lassen“, sagt der Klimaforscher. Der Atlas ist frei zugänglich und kann auch von Laien genutzt werden.
Brunner L., Mithal V., Borchert L. F., Sillmann J., and Poschlod B. (2026):
The Variability Atlas: How internal climate variability affects the estimation of climate extreme indices, Environmental Research Letters; DOI 10.1088/1748-9326/ae9c57
Variability Atlas for ETCCDI climate extreme indices
https://lukasbrunner.github.io/variability_atlas/
Reuters Klimamonitor: interaktives Daten- und Visualisierungs-Tool (entwickelt von Reuters), das Klima- und Wetterdaten in leicht verständlichen Vergleichsdarstellungen präsentiert. Die Methodik für den Monitor wurde unter fachlicher Beratung von Dr. Lukas Brunner entwickelt.