and Society (CLICCS)
Klimazukünfte: verstehen, gestalten, entscheiden
31. März 2026, von Franziska Neigenfind

Foto: UHH/CLICCS
Was sind Klimazukünfte, welche Zukünfte sind wünschenswert und wie können wir diese realisieren? Der Exzellenzcluster CLICCS bringt verschiedene Akteure zusammen und regt dazu an, über etablierte Zukunftsmodelle hinauszudenken. Die Sprecher:innen Johanna Baehr und Achim Oberg über die neue Projektphase.
CLICCS hat fächerübergreifend erforscht, ob sich die Klimaziele realistischerweise noch erreichen lassen. Welche Schwerpunkte folgen nun?

Johanna Baehr: Wir untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels auf unser Leben und zugleich andersherum, wie sich unser Leben auf das Klima auswirkt. Welches Klima uns erwartet, hängt davon ab, wie wir leben, arbeiten und wirtschaften. Diesen Fragen widmen wir uns auch in Zukunft mit umfassender Expertise aus Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Es geht nun aber um einen breiteren Begriff von Klimazukünften. Wir wollen die Vorstellungskraft erweitern und Diskussionen anregen. Unsere Leitfrage dabei ist: Wie können gewünschte Klimazukünfte realisiert werden? Dafür forschen wir nicht nur, sondern tauschen uns noch intensiver mit Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft aus.
Wie lässt sich der Dialog ausbauen?
A. Oberg © M. Skubaz
Achim Oberg: Wir werden unterschiedliche Formate nutzen. Es geht darum, gemeinsam Wissen zu entwickeln, um Klimaschutz und Klimaanpassung voranzutreiben. Zunächst möchten wir, dass Menschen sich verschiedene mögliche Klimazukünfte besser vorstellen können. Diese Kompetenz der „Future Literacy“ ermöglicht es, künftige Entwicklungen zu erkennen, zu verstehen, darüber zu sprechen und zu handeln. Denn Klimazukünfte werden derzeit meist als düstere Dystopien, fröhliche Utopien oder vage Versprechen auf Veränderung präsentiert. Was fehlt, sind glaubwürdige Zukünfte: mehr oder weniger wünschenswerte Szenarien, die auf Forschung basieren und auf eine Weise dargestellt werden, die verständlich ist und zum Gespräch anregt.
Wie werden diese Fähigkeiten im Cluster entwickelt?
Baehr: Am Anfang steht der wissenschaftliche Diskurs zu zukünftigen Klimaszenarien. Wir haben das Format der „Gedankenexperimente“ eingeführt, um naturwissenschaftliche Klimaszenarien um gesellschaftswissenschaftliches Wissen anzureichern. Die Gedankenspiele erweitern unseren Blick und zeigen gleichzeitig neue Perspektiven für unsere Forschung auf.
Wie nähert man sich möglichen Zukunftswelten an, die noch außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen?
Oberg: Zusammen mit Forschenden aus 16 Disziplinen haben wir in einem ersten Schritt begonnen, politische, soziale, technologische und ethische Konsequenzen des Klimawandels konkret zu erfassen und zusammen mit Künstlern erfahrbar zu machen. Gemeinsam haben wir erste lebendige Welten entwickelt, die unterschiedliche Ergebnisse in Bereichen wie Alltagsleben, Demokratie, Klimaanpassung und Gesellschaft zusammentragen. Dabei berücksichtigen wir, was sich unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen erhoffen. Weitere Experimente zu unterschiedlichen Themen werden folgen. Dazu werden wir Expertise aus der ganzen Welt nach Hamburg einladen.
Wie können die Experimente in die Gesellschaft hineinwirken?
Baehr: Geschichten, Bilder und Videos machen das Abstrakte greifbar und vermitteln dabei auch, was für uns auf dem Spiel steht. Diese Anschaulichkeit könnte dabei helfen, Dinge zu hinterfragen und Menschen zu bestärken, Entscheidungen zu treffen im Sinne der Zukunft, die ihnen lebenswert erscheint.
Der Artikel wurde im CLICCS Quarterly veröffentlicht, den Forschungsnews des Exzellenzclusters "Climate, Climatic Change, and Society".

