CLICCS
and Society (CLICCS)
Foto: UHH/Denstorf
29. April 2026, von Franziska Neigenfind

Foto: Franziska Neigenfind/ ESRAH/UHH
Zahlreiche Konflikte, nationalistische Tendenzen und geopolitische Krisen erschweren internationale Klimaverhandlungen erheblich. Wie fällt die Bilanz der letzten Klimakonferenz (COP30) im brasilianischen Belém für den Klimaschutz aus? Und wie steht es um die Zukunft der internationalen Klimadiplomatie? Am vergangenen Donnerstag fand am Exzellenzcluster CLICCS der Universität Hamburg eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt, die Akteur:innen aus Wissenschaft, Diplomatie und Zivilgesellschaft zusammenbrachte, um die Ergebnisse der COP30 und ihre Bedeutung für die künftige internationale Klimapolitik zu erörtern. Im Fokus standen die Ausführungen von Philippe Raposo, brasilianischer Diplomat und Experte für globale Umweltpolitik, Sarah Zitterbarth von der Klima-Allianz Deutschland, einem Bündnis für zivilgesellschaftliches Engagement für Klimaschutz, sowie Dr. Eduardo Gonçalves Gresse, der als Soziologe zur Rolle Brasiliens in der globalen Umweltgovernance forscht. Die Politikwissenschaftlerin Dr. Anna Fünfgeld leitete die Paneldiskussion und den engagierten Austausch mit dem Publikum.
Eduardo Gonçalves Gresse gab in seinem einführenden Vortrag einen Überblick über Verhandlungsdynamik, Atmosphäre, politischen Kontext und die Ergebnisse der Verhandlungen in Belém. Dabei wies er auch auf die Brüche der internationalen Klimapolitik hin, die durch geopolitische Konflikte und Interessensgegensätze zunehmen. Der multilaterale Ansatz, der Austausch zwischen den Ländern also, bleibe jedoch trotz aller Widrigkeiten maßgeblich, um die Klimakrise zu bewältigen. Es seien dabei auch stärkere Kooperationen auf Ebene der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft und zwischen Staaten notwendig. Gresse betonte die Bedeutung gesellschaftlicher Reaktionen auf die ökologische Krise: „Soziale Bewegungen und gesellschaftliche Mobilisierung sind entscheidend, um weitreichende Veränderungen beim Klimaschutz zu bewirken“, sagte er. Als ganz entscheidend sieht Gresse derzeit vor allem auch die gesellschaftliche Aufgabe, dem Vormarsch autokratischer Kräfte entschieden entgegenzutreten.
Philippe Raposo hob hervor, dass trotz der geopolitischen Spannungen und Herausforderungen die Klimakonferenz in Belém ein Signal für die Widerstandsfähigkeit des Klima-Multilateralismus sei. So berichtete er, dass insgesamt 56 Entscheidungen einstimmig verabschiedet wurden, was die Bemühungen um die Stärkung und Fortführung multilateraler Klimapolitik trotz der geopolitischen Herausforderungen unterstreicht. Auch nannte er die Bedeutung ergänzender Maßnahmen wie der „Tropical Forests Forever Facility“ (TFFF), die kürzlich ihre Arbeit aufgenommen hat, sowie die Arbeit an sogenannten Roadmaps für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und zur Eindämmung und Umkehrung der Entwaldung. Deren Ziel ist es, die Effektivität internationaler Klimaverhandlungen zu steigern und konkrete Fortschritte in der Umsetzung des Pariser Abkommens zu erzielen. Philippe Raposo hob Brasiliens Einsatz unter Präsident Lula hervor, der solche Fahrpläne vorantrieb, und seine diplomatische Position und Führungsstärke nutzte, um diese Ziele international bekannt zu machen und Druck auf andere Akteure aufzubauen.
Sarah Zitterbarth von der Klima-Allianz Deutschland unterstrich die Erfolge, aber auch die fragilen Strukturen der globalen Klimapolitik. Sie betonte, dass die nationalen Klimaziele (NDCs) – also die selbstverpflichtenden Pläne der einzelnen Staaten, wie sie ihre Treibhausgasemissionen reduzieren wollen – das Kernstück des Pariser Abkommens sind. Diese Pläne sollen alle fünf Jahre aktualisiert werden, um den globalen Fortschritt zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu sichern. Sie hob hervor, dass im Vorfeld der COP30 besonderes Augenmerk auf die Einreichung dieser aktualisierten NDCs für 2035 lag. Viele Staaten jedoch hätten diese Fristen nicht eingehalten oder unzureichende Klimaschutzpläne vorgelegt. Eine der zentralen Erwartungen an die Konferenz war, Fortschritte bei der Überarbeitung und Umsetzung der NDCs zu erzielen, um den Klimaschutz voranzutreiben. Allerdings landete das Thema nicht explizit auf der Agenda des Gipfels. Sarah Zitterbarth wertete dies als eine verpasste Chance, den dringend benötigten Impuls für den Klimaschutz zu setzen. Sie forderte, den gesellschaftlichen Druck auf politische Akteure zu erhöhen und neue Allianzen zu schmieden, um zum Beispiel den Ausstieg aus den fossilen Energien voranzutreiben. Sie sieht gesellschaftlichen Einsatz, breite Mobilisierung und Mut als entscheidend, um den notwendigen Wandel hin zu einer klimaverträglichen und sozial gerechten Lebens- und Wirtschaftsweise zu beschleunigen. Besonders betonte sie die Bedeutung konkreter zivilgesellschaftlicher Kampagnen, etwa Protest- und Unterschriftenaktionen zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Solche Initiativen, so Zitterbarth, seien ein wirksames Mittel, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und Druck aufzubauen, vor allem in Momenten, in denen Regierungen zögern oder unzureichend handeln.