CLICCS
and Society (CLICCS)
Foto: UHH/Denstorf
10. Juli 2026, von Michael Schnegg, Julian Sommerschuh

Foto: Tiana Rogge
Welche Rolle kann Hoffnung in der Auseinandersetzung mit Klimawandel und ökologischer Krise spielen? Unter dem Titel „Climate Hope“ diskutierten internationale Anthropolog:innen und Philosoph:innen von 2. bis 4. Juli 2026 beim vierten „Hamburg Symposium on Philosophy and Anthropology”. Michael Schnegg und Julian Sommerschuh aus dem Teilprojekt S1 organisierten in Workshop in Kooperation mit dem Hamburg Institute for Advanced Study (HIAS).
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Debatten über Klimawandel stark von Angst, Verzweiflung oder Ohnmacht geprägt sind. Diese Emotionen können zum Handeln motivieren, gehen aber auch mit psychischen Belastungen, sozialer Erschöpfung und politischer Blockade einher. Die Teilnehmenden deser Workshops fragten daher, unter welchen Bedingungen Klimahoffnung entsteht, welche Formen hilfreich oder problematisch sind und welche Wirkungen Hoffnung auf individuelles und kollektives Handeln hat.
Dabei wurde deutlich, dass Hoffnung nicht einfach als positive Gegenemotion zur Angst verstanden werden kann. Einigkeit bestand darin, dass manche Hoffnungen aufgegeben werden müssen: die Hoffnung auf eine vollständige „Lösung“ des Klimaproblems, auf eine Rückkehr zu unberührten vorindustriellen Zuständen oder auf vollständige menschliche Kontrolle über die ökologische Zukunft.
Zugleich zeigte sich, dass die Existenz problematischer Hoffnungen nicht bedeuten darf, Hoffnung als solche preiszugeben. Vielmehr braucht es konkrete Hoffnungen auf wünschenswerte Zukünfte: auf mehr Gerechtigkeit, auf den Erhalt von Lebensbedingungen für Menschen und Natur und auf Formen des Zusammenlebens, die auch unter unsicheren Bedingungen tragen. Daneben rückte eine weniger zielgerichtete Dimension von Hoffnung in den Blick: eine Haltung des Ertragens, Beharrens, Sich-Orientierens, Weitergehens und Wahrnehmens, die auch dort handlungsfähig hält, wo klare Lösungen fehlen.
Produktiv war besonders der Austausch zwischen philosophischen und ethnographischen Perspektiven. Philosophische Beiträge klärten Hoffnungsbegriffe und stellten normative Fragen nach guten und schlechten Formen der Hoffnung. Anthropologische Beiträge zeigten, wie unterschiedlich Menschen in verschiedenen Weltregionen auf die Klimakrise reagieren. Dabei wurde deutlich, dass Hoffnung häufig nicht aus abstraktem Optimismus entsteht, sondern aus konkreten Beziehungen: zu anderen Menschen, zu lokalen Gemeinschaften, zu Land, Pflanzen, und Tieren.
Der Workshop machte sichtbar, dass Klimahoffnung weder Illusion noch bloße Stimmung ist. Sie kann als praktische Fähigkeit verstanden werden, in einer beschädigten und unsicheren Welt orientiert, aufmerksam und handlungsfähig zu bleiben. Die Diskussionen des Symposiums werden in einem geplanten Sammelband weitergeführt.
Weitere Informationen:
Hamburg Symposium on Philosophy and Anthropology
Climate Hope