CLICCS
and Society (CLICCS)
Foto: UHH/Denstorf
5. Juni 2026, von Franziska Neigenfind

Foto: Katharina Jentzsch
Die Geoökologin Katharina Jentzsch erhält den Wladimir Köppen Preis 2025 für ihre herausragende Forschung zu Treibhausgasen in Moorlandschaften in Finnland. Ihre Dissertation verfasste sie an der Universität Potsdam und am Alfred-Wegener-Institut. Darin konzentriert sie sich auf die komplexen Wechselwirkungen von Methan- und CO2-Emissionen in den Feuchtgebieten, die eine wichtige Rolle im globalen Klimasystem spielen. Während bisher vor allem der Wasserstand als entscheidender Faktor für die Treibhausgas-Bilanz von Mooren galt, zeigt die Doktorarbeit, dass verschiedene Pflanzenarten die Bildung, den Abbau und die Freisetzung von Methan regulieren – ein Aspekt, der in Computermodellen zum Klimawandel bisher häufig nur unzureichend berücksichtigt wurde. Zudem macht die Arbeit deutlich, wie stark sich die Methanflüsse innerhalb eines Moores unterscheiden können und wie dies mit verschiedenen Pflanzengesellschaften, hydrologischen Bedingungen und der kleinräumigen Beschaffenheit des Geländes zusammenhängt.

Die Art der Pflanzen in den Mooren bestimmt, wieviel Methan gebildet, in Kohlendioxid umgewandelt wird oder direkt in die Atmosphäre entweicht. Die Stängel hohlstämmiger Moorpflanzen zum Beispiel wirken wie Schornsteine, die das Methan aus dem Boden direkt in die Atmosphäre leiten. In der Moosschicht dagegen wird Methan zu Kohlendioxid umgewandelt. Dabei entsteht ein Klimagas mit einer deutlich günstigeren Treibhausgasbilanz. Diese Prozesse untersuchte Katharina Jentzsch über die Jahreszeiten hinweg in einem finnischen Hochmoor. Besonderes interessierte sie sich für die Unterschiede von Vegetationstypen und den besonderen Mikrostandorten der Hochmoore – also den kleinsten Bereichen mit jeweils eigenen Bedingungen innerhalb des Moores.
Dabei wandte sie ein breites Spektrum an Methoden an, darunter umfangreiche Messungen der Gasflüsse, isotopische Techniken und statistische Auswertungen sowie Vegetationsexperimente und Drohnenkartierungen. Das Ergebnis: Der Einfluss der Pflanzen wird sehr deutlich; vor allem bestimmte Torfmoose regulieren die Methanemissionen. Darüber hinaus zeigen die Messungen, dass die räumliche Verteilung von Pflanzen, Wasserständen und Mikroformen der Mooroberfläche wesentlich dazu beiträgt, die beobachtete Variabilität der Methanflüsse zu erklären.
In ihrer Arbeit verfolgt die Preisträgerin zudem einen innovativen sozialwissenschaftlichen Ansatz, der systematisch mögliche Unsicherheiten und Variabilität von Messdaten untersucht: Sie führte eine Expertenumfrage durch und betrachtete dabei nicht nur die technische Messung selbst, sondern auch, wie Methoden, Umweltbedingungen und menschliches Handeln zusammenwirken. „Katharina Jentzsch hat ihre fundierten Kompetenzen aus den Bereichen Ökologie, Meteorologie und Geophysik sehr klug miteinander verknüpft. Ich gratuliere ihr herzlich zum Wladimir Köppen Preis“, sagt CLICCS-Sprecherin Prof. Johanna Baehr. „Ihr ist es eindrucksvoll gelungen, den Einfluss der Vegetation auf die Treibhausgasemissionen aus Mooren zu belegen.“ Die Erkenntnisse erweitern unser Verständnis, wie Moore auf den Klimawandel reagieren und wie Renaturierungsmaßnahmen gestaltet werden können, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Besonders relevant sind die Ergebnisse auch für den praktischen Klimaschutz wie bei der Wiedervernässung ehemaliger Moore.